• Skipper Martin

Überstellungsfahrt Februar 2022

Von Valencia nach Lignano


Eine Reise, die uns knapp 1500 Seemeilen von der spanischen Mittelmeerküste, über direkten Kurs nach Mallorca und Sardinien bis Sizilien brachte. Durch die Straße von Messina am süditalienischen Absatz bis Brindisi und nach der Überquerung der Adria von der Insel Lastovo die kroatische Küste hoch bis in den Golf von Triest.


Mit einem Anruf fing das Abenteuer an. Es war Sommer 2021 und ich war wie so oft gerade auf einem Segeltörn unterwegs, als mein Mobiltelefon läutete. Die Stimme am Telefon fragte mich, ob ich Interesse an einer Yachtüberstellung hätte: das Boot liegt in Valencia in Spanien und soll im Winter nach Lignano gebracht werden. „Ja, natürlich bin ich interessiert!“, hörte ich mich sagen, und ich war schon gespannt auf die Einzelheiten. Schnell waren die wichtigsten Informationen ausgetauscht und wir vereinbarten einen Termin zu einer Besprechung des Vorhabens.


Bereits im Herbst waren die Vorbereitungen im vollen Gange. Die Eigner, die auch auf dieser Fahrt dabei sein wollten, bereiteten sich selbst und ihr Schiff für diese Reise vor und ich begann mit der ersten Planung unserer Tour.


In den Winterferien wurden von den Besitzern die letzten Arbeiten an der Yacht abgeschlossen und ich bekam immer wieder Fotos von den Fortschritten des Refittings. So wurden Leinen erneuert, der Motor gewartet, die Winschen gepflegt und das gesamte Schiff geputzt und geschrubbt, bis die alte Dame wieder glänzte.

Es war eine 42er Beneteau Oceanis mit Centercockpit in der Eignerversion. Ein gemütliches Segelboot mit guten Fahreigenschaften und einem angenehmen Komfort.

Nachdem ich im Januar von meinem Wintertörn auf den Kanaren zurückgekommen war, konnte ich mich auch intensiv auf diese Überstellungsfahrt vorbereiten. Ich erarbeitete mir einen Passageplan mit allen dazugehörigen Informationen. Das knapp 40-seitige Werk umfasst Punkte wie Routenführung, Zeitplan, Checklisten, Proviantierung, Sicherheitsausrüstung, Wachplan und vieles mehr.


Bei meiner Suche nach einer geeigneten Crew war ich weniger erfolgreich, da sich die meisten von den kalten Temperaturen im Februar abhalten ließen. Für einen Seemann wäre das kein Grund einer solchen Reise fernzubleiben, dachte ich, und freute mich bereits auf unser Abenteuer.


In Nordeuropa legte ein Sturm den ganzen Flugverkehr lahm – ausgerechnet an meinem Anreisetag tobte ein gewaltiges Sturmtief über den europäischen Kontinent. Seit Tagen beobachtete ich bereits das Wettergeschehen und auch die 12 Beaufort (ca. 100 km/h) im Golf von Genua und zwischen den Inseln Mallorca und Sardinien sind meiner Aufmerksamkeit nicht entgangen.


Die Prognose für die nächsten Tage sah jedoch wieder etwas weniger Wind voraus und das stimmte mich sehr zuversichtlich, dass wir pünktlich aus Valencia auslaufen können würden.

Meine Flugreise gestaltete sich aufgrund vieler Verspätungen sehr mühsam. Auch wurden viele Flüge abgesagt, aber sehr spät abends landete ich dann endlich in Spanien. Nach einem kurzen Transfer in die Marina wurde ich am Schiff bereits sehnsüchtig erwartet.

Die Freude war groß bei unserem Wiedersehen. Jetzt endlich konnte ich mir auch das Boot ansehen, von dem ich schon so viel gehört hatte. Es war in einem guten und gepflegten Zustand und man konnte die Arbeit und die vielen Stunden, die hier von den Eignern investiert wurden, gut erkennen. „Gemütlich“, dachte ich, „und sauber, mein neues Zuhause auf Zeit!“ Ein schwimmendes Zuhause, das uns für die nächsten vier Wochen sicher über das Mittelmeer und die Adria in den Heimathafen bringen würde. Ich bezog die Koje im Bug und ließ mich zufrieden in mein frisch duftendes Kopfkissen fallen.

Die nächsten zwei Tage war dann nochmal Zeit für mich, das Schiff richtig kennenzulernen. Jede Luke, jedes Schabb, Seeventile, Motor, Technik, Einrichtungen, Segel usw. wurden gemeinsam erkundet und das Segelboot, soweit es auf Sicht möglich war, auf seine Seetüchtigkeit überprüft.


Alles klar! Wir stechen in See!


Am Morgen des 02. Februars machten wir die Leinen los und bei schönstem Wetter und beinahe frühlingshaften Temperaturen liefen wir aus dem Hafen von Valencia aus. Leise tuckerte unser Dieselmotor Richtung Ausfahrt und wir nahmen Kurs auf Mallorca. Vor uns lagen etwa 125 Seemeilen bis Palma. Diese Strecke sollten wir in ca. 30 Stunden zurücklegen. Die nächsten zwei Seetage werden uns für die bevorstehende Reise gut vorbereiten, sie werden uns in die Aufgaben einführen und wir werden uns in den Wachplan eingewöhnen. Vor allem aber werden uns die nächsten Tage als Team formen und eine Crew aus uns entstehen lassen.


Mit gesetzten Segeln ging es auf Kurs Ost und wir entfernten uns langsam von der Küste.

Die wärmenden Sonnenstrahlen glitzerten im sanften Licht an der Wasseroberfläche und begleiteten unsere gemächliche Fahrt. Kaum ein anderes Boot war zu sehen und auch der Funk verstummte, je weiter wir uns vom Land entfernten. Ein wunderschöner Sonnenuntergang erinnerte uns daran, uns für die Nachtfahrt einzustellen. Der Dienstplan war längst aktiviert und die Stirnlampen vorbereitet. Unter Deck gab es schwach leuchtendes Rotlicht. Alle Lichtquellen wurden gedimmt und die Navigationslichter eingeschaltet. Unsere erste Nachtfahrt begann. Die Dienste teilten wir uns im zwei-Stunden-Takt zu zweit auf. Das heißt, zwei Stunden Wache und zwei Stunden frei, zwei Wache, zwei frei, usw. Das braucht etwas Zeit, um sich daran zu gewöhnen, denn wer steht schon gerne nachts alle zwei Stunden auf, um weitere zwei Stunden im Freien zu verbringen, wenn es doch im Bett so schön warm und gemütlich wäre.


Es dauerte jedoch nur wenige Tage, um sich mit diesem Wachplan abzufinden und wie es so schön heißt, gewöhnt sich der Mensch ja angeblich an alles. Die Nacht verlief ruhig und da der Wind fast eingeschlafen war, kamen wir mit Motorunterstützung gut voran. Der nächste Morgen begann nach Wachplan für mich um sechs Uhr. Das war noch eine Stunde vor Sonnenaufgang.



Langsam wurde es heller am Horizont und das Meer lag wie ein Spiegel vor uns. Es war absolute Flaute und sehr beeindruckend, wie ruhig das Wasser sein konnte. Kein Land war mehr sichtbar, keine anderen Schiffe – nur wir, unser Boot und der Sonnenaufgang.

Es wurde Nachmittag als wir Mallorca erreichten, und wir liefen noch bei Tageslicht in Palma ein. Ein großer Hafen empfing uns, und auch die Marina hieß uns freundlich willkommen. Auf unserer ersten Etappe ist alles gut gegangen! Das war ein guter Anfang und eine schöne Zeit, um sich darauf einzustellen. Meine Crew war zwar segelerfahren, doch hatte bisher keiner von ihnen eine Langstrecke gefahren. Der Eigner nutzte daher die Gelegenheit, um die Erfahrung für sich zu machen und gleichzeitig auch sein Boot besser kennenzulernen.


An unserem Liegeplatz angelegt, nutzten wir sogleich die Möglichkeit unsere Tanks mit Wasser zu füllen und noch ein paar Kleinigkeiten einzukaufen. In einem netten Restaurant ganz in der Nähe haben wir dann später zu Abend gegessen und unsere Planung für die weitere Reise besprochen. Wir freuten uns auf die kommende Nacht, um auszuschlafen und wollten am nächsten Vormittag auch gleich wieder starten.

Der nächste Tag begann mit ein paar Vorbereitungen. Es wurde noch Diesel gebunkert und eine warme Mahlzeit zubereitet, um sie später auf See zu uns zu nehmen. Wie jeden Tag zu dieser Zeit lud ich mir aktuelle Wetterdaten auf mein Tablet und analysierte diese unter Berücksichtigung unserer Kurse.


Auch über Nachrichten für Seefahrer, Hindernisse oder Gefahrenstellen und Seewetter auf unserer Route hielt ich mich auf dem Laufenden. Der nächste Schlag würde uns über 250 Seemeilen (ca. 460 km) in etwa drei Tagen über das offene Meer bis nach Sardinien bringen.

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