• Skipper Martin

20. Horta und die Quarantäne


Neunte Nachricht empfangen per E-Mail am 02. Juni, um 1930UTC:



Seit den frühen Morgenstunden kämpften wir zunehmend der Windrichtung gegenan. Immer weiter drängte uns der Am-Wind-Kurs von unserem Ziel ab.


Auch nach der Wende musste ich mir eingestehen, dass es nur wenig Sinn macht, mit einem Katamaran aufzukreuzen. Als wir der Küste nah genug waren, haben wir die Segel geborgen und zusammengepackt. Die letzten vier Seemeilen fuhren wir mit dem Motor Richtung Horta. Die Ansteuerung war einfach und wir bereiteten unsere Leinen und Fender für das Anlegen in der Marina vor.


Gleich nach der Hafeneinfahrt versuchte ich den Hafenkapitän über Funk zu erreichen. Auf dem Weg in die Marina kamen wir am Hafenbüro vorbei, wo auch schon ein Mann deutlich gestikulierend um unsere Aufmerksamkeit bemüht war. Es war der Hafenkapitän, der uns sogleich mitteilte, dass wir nicht in die Marina einfahren dürfen, sondern uns im Vorhafen vor Anker legen sollen. Danach meinte er, wird er am Nachmittag zu uns kommen, um etwaige Papiere und einen Coronatest mit uns zu besprechen.


Etwas verwundert suchten wir also einen freien Platz in dem gut besuchten Ankerfeld und stellten uns auf einen kurzen Aufenthalt im Hafenbecken ein.


Freundlich begrüßte ich das Nachbarschiff und erklärte, dass wir nur eine kurze Zeit hier verweilen werden, bevor wir in die Marina dürfen. Da machte sich ein breites Lächeln auf dem Gesicht des Nachbarskippers breit und er meinte, dass wir voraussichtlich für die nächsten zwei Tage hier liegen werden. Er erkundigte sich bei uns, ob wir noch genug Proviant für diese Zeit an Bord hätten. Ich bejahte seine Frage und wollte das soeben gehörte nicht wirklich ernst nehmen. Nach den aktuellen Reisebestimmungen sind wir weder Test noch Quarantäne verpflichtet, da wir bereits drei Wochen auf einem Schiff verbracht haben. Das war dem Hafenmeister jedoch völlig gleichgültig, wie er uns später mitteilte. Dieser bestand jedenfalls auf eine Testung, die er anscheinend auch selbst durchführte, und erklärte uns den Ablauf dazu. Morgen um 13:00 Uhr möchte er kommen, um zu testen. Naja, und wenn sich das am Nachmittag nicht ausgehen, meinte er, dann halt am nächsten Tag. Das Testergebnis dauert dann etwa 24 Stunden, und falls das negativ sein sollte, können wir das Boot verlassen – also frühestens in zwei Tagen. Hmm, unser Nachbar hatte wohl recht gehabt.


Christiane, die zu Besuch gekommen war, konnte uns mit der Proviantierung behilflich sein und hat schon mal ein paar Sachen eingekauft. Das wichtigste von allem hat sie uns zuerst besorgt – ein paar Dosen kaltes Bier, das wir mit dem Beiboot an Bord holten.


Später am Abend war die Versuchung doch sehr groß, an Land zu gehen. Schließlich wollten wir ja ins Café Peter Sport, dem Segelmekka im Atlantik, und so sind wir mit dem Dinghy ans Ufer gefahren und haben es an der Hafenkante festgemacht.

Danach gingen wir mit einem freudigen Lächeln in diese Bar, wo so viele Atlantiküberquerer bereits vor uns waren. Überall an den Wänden und an der Decke hingen Flaggen oder Wimpel von vielen Crews, die ebenfalls hier eingekehrt waren.



Auch wir hatten eine Flagge dabei und platzierten diese an einem der letzten freien Plätze. Ein erfolgreicher Abend war das und wir genossen die Atmosphäre bei Gin und Tonic und einer Menge Seemannsgarn.


Am nächsten Morgen beschlossen wir die Insel wieder zu verlassen, um nicht unnötig Zeit zu verlieren. Der Hafenkapitän erlaubte uns Wasser und Diesel zu tanken und Proviant entgegenzunehmen. So konnten wir alle unsere Vorräte füllen und uns für die Weiterfahrt vorbereiten. Es geht wieder weiter!


Am Nachmittag des 02. Juni laufen wir aus in Richtung Nordost. Vor uns liegen weitere 2.000 Seemeilen und einige anspruchsvolle Passagen. Zuerst segeln wir noch durch die Azoren und später mit Kurs Nord bis Nordost an der Bretagne und Normandie hoch, um über den Ärmelkanal in die Nordsee zu gelangen. Das Wetter der nächsten Tage ist gut und der anfängliche Wind gegenan wird zum Ende der Woche drehen und uns einen guten Kurs ermöglichen.


Wir haben die Segel voll gesetzt, und eine angenehm ruhige Fahrt entfernt uns langsam von Horta und dem kleinen, feinen Café Peter Sport, an das ich mich noch gerne zurückerinnern werde. Vorbei an der Küste von Pico, dessen Gipfel 2.351 Meter aus dem Meer ragt. Ich freue mich wieder auf See zu sein und ich bin gespannt, was uns auf dieser Reise noch erwartet.


Wir sind bereit für neue Abenteuer!



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