• Skipper Martin

22. Wenn’s läuft, dann läuft‘s…


Elfte Nachricht, empfangen über Satellit am 08. Juni, um 1350UTC:

Logbucheintrag:

08JUN103521UTC, Position 46°17,4‘ N, 016°52,7‘ W; Wind SW 18 kn; Welle 2 m; Sicht sehr schlecht; 1015 hPa; stark bewölkt; Kurs 075.


Wetterupdate von Andreas über Satellit:

Bis Samstag Früh NW10 zwischen Azoren und Ärmelkanal drehend, später WSW auf 35BG/70LG bis 20LG/45BG bis 30kn nördlich Azoren. Bis Samstagabend sollte der Wind von SW, der nach Irland in einem Bogen zieht, nördlich der Azoren merkbar sein; zwischen 40BG und 45BG. Eher auf 41BG. Bis Mittwoch weiter zu den Azoren bis direkt Richtung Südspitze Englands. Ab Sonntag 0000UTC bei 25LG/42BG SW 10kn.


Das sieht gut aus! Vielen Dank für das tolle Wetterrouting, Andreas!


Seit einigen Tagen haben wir perfekten Segelwind. Wir fahren raumen Kurs in Richtung Ärmelkanal und nähern uns mit guter Geschwindigkeit dem europäischen Festland. Noch sind wir auf halbem Weg zwischen den Azoren und der Bretagne und fast vierhundert Seemeilen von jeglicher Küste entfernt. Gestern Nacht haben wir die Hälfte der zweiten Etappe über den Atlantik überschritten, daher gibt es heute Abend eine kleine Feier mit gutem Essen, Bier, Wein und Geschichten über den Klabautermann. Bis zum Wochenende werden wir vermutlich in Höhe Brest sein und in den Englischen Kanal einfahren.


Der Atlantik zeigt uns seine gezähmte Wildheit. Immer wieder sendet uns das Tiefdruckgebiet, an dessen Rand wir segeln, einen Wind bis zu 30 Knoten, Regenschauer und die daraus entstehenden Wellen, die schon mal an die drei Meter hoch werden können. Die Sicht ist miserabel, doch die Stimmung ist gut, und das Radar macht den Ausguck. Das Ölzeug ist längst im Einsatz und die Crew trotzt zu jeder Tages- und Nachtzeit dem Wetter.


Ein großes Lob möchte ich an dieser Stelle meiner Mannschaft aussprechen, die auch bei widrigen Umständen und zunehmend kälteren Temperaturen uneingeschränkt ihren Dienst versieht – jeden Tag, und das 24 Stunden im Wechseldienst. Das Team ist weiterhin top motiviert und wir sind alle guter Dinge. Einen gewissen Teil zu dieser positiven Stimmung trägt bestimmt auch unsere ausgezeichnete Verpflegung an Bord bei. So wird jeden Tag frisch und abwechslungsreich gekocht und regelmäßig Brot gebacken. Das gemeinsame Abendessen um 17:00 Uhr ist eine sehr gute Einrichtung.


Bei unserer täglichen Kontrollroutine zuvor gibt es immer wieder etwas zu entdecken. Mal ist es eine Schraube, die sich löst, mal ist eine Leine zu versetzen, dann wieder ein Kabel zu fixieren… es gibt immer was zu tun. Durch den Wellenschlag der letzten Tage beobachten wir einen Wassereintritt an einigen Luken. Das ist nicht weiter schlimm und durchaus normal, dass Dichtungen mit der Zeit etwas müde werden. Interessant zu beobachten ist auch, wie der Salzgehalt in unserer Umgebung steigt. Durch die windige See von bis zu 7 Beaufort sind kleinste Wassertröpfchen in der Luft, die das Salz auf unserem Boot überall hin transportieren. Am Besten kann man das nachts im Scheinwerferlicht sehen, wo man die Luft schon fast greifen kann. An Deck ist alles mit einer dünnen Salzschicht überzogen und natürlich findet sich auch bereits in der Kleidung eine erhöhte Solekonzentration, die dazu führt, dass unsere Textilien nicht mehr richtig trocknen. Die Wäsche fühlt sich klamm und nass auf der Haut an – das ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber so ist das halt auf hoher See.


„Ist auch nass und kalt das Interieur,

einem Seemann ist gar nix zu schwör“,

das ist ein sehr altes Koboldsgesetz, schmunzle ich so in meinen wildwachsenden Bart, während sich unser Boot durch die nächste Nebelbank schiebt.

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