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  • Skipper Martin

20. Heißer Tee und kalte Nächte


Zwölfte Nachricht von der Plan-B, empfangen über Satellit am 11. Juni, um 0730UTC:



„Es ist die letzte Nacht am offenen Atlantik“, denke ich, und lehne mich zufrieden in die Pölster der Salongarnitur. Ich sitze auf der Bank in Fleecejacke und mit einer leichten Decke umhüllt, während ich diese Zeilen schreibe. Es ist bereits nach 23 Uhr und schon bald wieder Zeit für die nächste Wache. Die Nächte sind kalt geworden und das Wetter zunehmend feuchter. Keine einfache Aufgabe für die Crew, die sie jedoch sehr gut meistert.


Seit einigen Tagen sind wir von dichtem Nebel umgeben und halten direkten Kurs auf den Ärmelkanal. Der Wind ist mit 3-4 Beaufort gut zu segeln und unser Boot geht gemütlich durch die langen runden Wellen. Ein leises Knarren hier und ein Ächzen da geht mit jeder Bewegung des Schiffes einher.


Mehr als dreieinhalbtausend Seemeilen sind bis jetzt in unserem Kielwasser, und es werden weitere folgen. Genau einen Monat ist es her, als wir in Martinique gestartet sind und jetzt sind wir bereits kurz vor der Bretagne. Morgen erreichen wir den Englischen Kanal, den wir auf der französischen Seite befahren werden.


Der Teekessel am Ofen beginnt zu summen und läutet damit den nächsten Aufguss ein. Tee ist sehr beliebt an Bord und wir haben ihn in den unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen. Mit unserer Proviantierung bin ich sehr zufrieden. Wenn jetzt auch langsam das eine oder andere zur Neige geht, wurde gut eingekauft und auch unsere Küche ist unglaublich abwechslungsreich und schmackhaft. In den vielen Tagen auf See wurde täglich in einer sehr hohen Qualität gekocht. Wir haben vier Hobbyköche an Bord und jeder von uns bringt seine Rezepte und Vorstellungen mit ein. Wir haben gut haltbares Gemüse gekauft, wie z.B. Kartoffeln, Karotten, Zwiebeln und Zucchini. Auch Wurstwaren wie Salami sind in ausreichender Menge vorhanden. Brot wird selbst gebacken, und Reis, Nudeln und Hülsenfrüchte ergänzen unseren Speiseplan. In den letzten fünf Wochen haben wir kein Gericht zweimal gegessen und immer wieder neue Zubereitungen kennengelernt.


Ich habe mir schon überlegt, ob ich die vielen Rezepte nicht aufschreiben und in einem Buch zusammenfassen sollte. Ein Kochbuch für Segler zum Beispiel – fände ich interessant für Urlaubs-, und besonders Langfahrten.


Das Wasser zieht leise plätschernd an uns vorbei. Mit einer angenehmen Ruhe und Gelassenheit gleiten wir die letzten hundert Seemeilen über den Ozean.


Morgen werden wir wieder Land sehen und einen neuen Abschnitt unserer Reise beginnen.

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