• Skipper Martin

24. Der Ärmelkanal

13. Nachricht empfangen per E-Mail am 15. Juni, um 0115UTC:


Viel Verkehr, Strömungen, Wind und Wetter – das sind meine Erwartungen an den Ärmelkanal. Schon von Beginn an werden wir in manchen Punkten nicht enttäuscht. Vom Atlantik kommend überqueren wir in Höhe Brest die Schifffahrtslinie, die den Hauptverkehr der Großschifffahrt führt. Nach den vergangenen Wochen, wo wir kaum andere Schiffe gesehen haben, ist das Verkehrsaufkommen hier für uns eine komplett neue Situation. Ein Schiff nach dem anderen reiht sich entlang des Verkehrstrennungsgebietes, welches wir durchfahren. Hier ist richtig was los! Ganz so wie ich es mir erwartet und auch bereits bei der Planung auf Marine Traffic beobachtet hatte. Frachter, Tanker, Fischer – alle sind sie da.


Wir segeln mit Vollzeug, und zum ersten Mal kann man auch die Strömung bemerken, die bereits kräftig unseren Kurs versetzt. Nachdem wir die verkehrsreiche Route verlassen haben, ist es wieder ruhig geworden um uns herum, und wir genießen die Segelei in dieser neuen Umgebung.


Das Wetter hat sich langsam beruhigt, und der nächste Morgen beginnt mit Sonnenschein und einer leichten Brise von querab. Die richtige Zeit, um wieder mal Wäsche zu waschen. Jeder von uns bringt ein paar Kleidungsstücke und wir packen eine Maschine voll. Völlig ungewohnt für mich, eine Waschmaschine an Bord zu haben, doch schon auch praktisch für solche Unternehmungen.

Mit fortschreitender Tageszeit wird der Wind auch immer weniger und bis zum Nachmittag müssen wir dann die Motoren starten, um weiterzukommen. „Gibt schlimmeres!“, denke ich, und so geht es weiter auf ruhige Fahrt mit Dieselkraft, an den Britischen Inseln vorbei und der Landzunge von Cherbourg in der Bretagne.


An dieser Stelle ist der Kanal etwa 50 Seemeilen breit und die Strömung kann hier schon mal über 4 Knoten stark werden. Das haben wir auch gespürt, denn mit der Tide war unsere Fahrt 8 Knoten schnell. Gegen die Gezeit können wir nur noch in der Strömung stehen und die Zeit bis zum Wechsel abwarten. Alle sechs Stunden ändert sich die Fließrichtung, und schon nach einer Stunde können wir wieder langsam Fahrt aufnehmen. Eine sehr schöne Erfahrung, den Tidenstrom in der Praxis zu erleben.


Auch die weitere Reise machen wir unter Motor. Der Englische Kanal präsentiert sich von seiner sehr sanften Seite. Glatte See und Sonnenschein vor einem wolkenlos blauen Himmel und mit toller Fernsicht. Ich bin überrascht, denn ich hatte mir den Ärmelkanal doch etwas anders vorgestellt. Es ist kaum Verkehr abseits der Hauptroute, das Wasser ist verhältnismäßig sauber und die See ist sehr ruhig. Auch die Strömungen sind im weiteren Verlauf sehr gut zu meistern.

Eine sehr schöne Begegnung hatten wir auch mit einer Gruppe Delphine, die uns gut eine halbe Stunde auf unserem Weg begleiteten. Unser nächstes Ziel ist die Durchfahrt bei Calais, und weiter die Nordsee hoch bis zur Elbe. Ich freue mich auf dieses Abenteuer.

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