• Skipper Martin

10. Die Anreise


Es ist soweit! Der Tag der Anreise ist gekommen.


Der erste Weg führte mich zum Flughafen in Innsbruck – aber nicht etwa, um in ein Flugzeug zu steigen, sondern um das Mietauto abzuholen, das ich für uns organisiert hatte. Wir werden mit dem Auto nach Paris fahren, da alle bisherigen Versuche einen Flug zu bekommen gescheitert waren. Unsere Flüge wurden gecancelt, oder so geändert, dass wir weder Flugzeit noch Ort sinnvoll kombinieren konnten. Ich holte mir den Leihwagen und fuhr dann gleich damit zu einer PCR-Teststraße, da wir ja auch noch einen negativen Coronatest zum Reisen brauchten.


Kaum war der Test erledigt, startete ich mit einer kleinen Tirolrundfahrt, die Crew einsammeln. Um ca. 17:00 Uhr hatte ich die ganze Bande im Auto und wir fuhren los – erst über den Arlberg, dann weiter durch die Schweiz und schließlich nach Paris. Zu unserem Erstaunen war keine einzige Grenzstelle besetzt und auch die so oft angekündigten Aus- oder Einreisekontrollen im Bezug auf das Covid-Virus blieben völlig aus. So fuhren wir ganz entspannt quer durch Europa, um auf dem Flughafen in Orly anzukommen. Um 03:00 Uhr Früh hielt unser Wagen unversehrt und nach einer angenehm ruhigen Fahrt auf dem Parkplatz der Leihautofirma am Flughafen Orly.


Wir hatten noch Zeit bis zum Einchecken und nutzten diese für ein kleines Schläfchen.


So gegen sieben Uhr morgens ging es zum Check-in. Der richtige Schalter war bald gefunden und dann begann das lustige Frage- und Antwortspiel. Warum wir nach Martinique reisen wollen, war eine sehr beliebte Frage. Dann natürlich die Erkundigung nach dem PCR-Test, der eidesstattlichen Erklärung, der Erklärung der Dringlichkeit unserer Reise, woher wir kommen, wohin wir in Martinique wollen, usw.


Endlich landete unser Gepäck auf dem Transportband und ich war erleichtert als ich unsere Taschen hinter dem kleinen Vorhang der Aufgabeöffnung verschwinden sah. Wir haben ein Ticket, es kann losgehen! Naja, das dachte ich mir zumindest.


Zuerst wurde aber noch meine kleine Handgepäckstasche in der Sicherheitskontrolle komplett auseinandergenommen. Meine Ausrüstung erschien ihnen wohl verdächtig umfangreich, und so wurden alle Gegenstände entnommen und einzeln aufgelegt nochmals gescannt. Da ich Funkgerät, Garmin Inreach, Akkupacks, Reservehandy, zwei Tablets, mehrere USB-Kabel, Navigationsbesteck, uvm. in dieser Tasche hatte, war wohl ein genaueres Hinsehen angebracht.


Nach einiger Zeit war meine Tasche wieder gepackt, und es ging weiter zur Passkontrolle. Während Robert und ich schnell durch waren, wurde bei Fritz ganz genau hingesehen und eine weitere Fragestunde begann. Wohin, warum, weshalb, woher – und alle Dokumente, Ausweise und Unterlagen wurden genauestens unter die Lupe genommen. Nach einigen Minuten intensiver Begutachtung konnten wir dann auch diese Station hinter uns lassen.


Nur wenige Meter danach wurden wir vom Grenzschutz gestoppt.


Nicht schon wieder, dachte ich! Aber doch – und schon begann das lustige Fragespiel erneut, nun zum dritten Mal. Wir stellten uns jedoch geduldig als Auskunftspersonen zur Verfügung und beantworteten ein weiteres Mal alle Fragen, die wir bereits mitsingen konnten.


Nachdem der Wissensdurst der Beamten gestillt war, war der weitere Verlauf so, wie man es von Flugreisen gewohnt ist. Warten, boarding, in einen Sitzplatz quetschen – doch halt!! Höre ich mich da gerade jammern? Dazu gibt es doch überhaupt keinen Grund!

Wir sitzen in einem Flugzeug! Wir sitzen in einem Flugzeug nach Martinique! Plötzlich wird mir bewusst, was das bedeutet. Wir haben es geschafft. Wir fliegen zu der Insel, wo unser Törn startet. Unser Überstellungstörn der Plan-B! Alle Strapazen haben sich gelohnt! Wir werden über den Atlantik segeln!


Achteinhalb Stunden später landen wir in Fort-de-France.


Wir werden von Reini abgeholt, der sich ein Mietauto organisiert hat. Es ist angenehm warm und wir fühlen uns sofort in den Sommer katapultiert. Eine kurze Autofahrt später sind wir in der Marina, wo der Eigner mit dem Dinghy bereits auf uns wartet. Die Begrüßung ist herzlich, wir umarmen einander und sind froh endlich angekommen zu sein. Den Abend verbringen wir gemütlich im Cockpit mit Seemannsgarn, gutem Essen und einem Glas karibischen Rum.

Die nächsten Tage sind sehr intensiv. Ich bekomme das ganze Schiff gezeigt, und wir besprechen die Technik, die Elektrik und sämtliche Einrichtungen an Bord. Die Proviantierung wird erledigt und die Dieseltanks gefüllt. Heute waren wir dann auch noch probesegeln, um den Umgang mit dem Katamaran zu lernen.


Hubi und Lothar haben sich auch bereits per WhatsApp gemeldet. Die beiden haben es mittlerweile auch in ein Flugzeug geschafft.


Wir freuen uns auf die zwei; mit ihrer Ankunft ist unsere Crew dann vollzählig. Am Sonntag werde ich den Neuankömmlingen das Boot zeigen und sie in den Umgang mit unserem Zuhause auf Zeit einweisen, bevor wir unser Abenteuer starten.


Am Montag geht’s los. Am 10. Mai heißt es Anker auf, und wir beginnen unsere Reise.


Noch aber liegen wir in einer ruhigen Bucht vor Anker und genießen den Sonnenuntergang.




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