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4. Skylla und die Straße von Messina

  • Autorenbild: Skipper Martin
    Skipper Martin
  • 8. Mai
  • 4 Min. Lesezeit

Crewwechsel in Brindisi – Christian bleibt, Wolfgang und Max kommen.

 

Durch die Flughafennähe eignet sich die Marina in Brindisi perfekt für einen Crewwechsel. Der Supermarkt ist zwar etwas entfernt, aber zu Fuß in etwa 20 Minuten erreichbar. So machen sich Christian und Maximilian schon mal auf, um uns für die nächste Etappe zu proviantieren.

 

Es gibt ein Kennenlernen, es werden die Routen besprochen und natürlich gibt es eine gute Portion Seemannsgarn bei einem gemeinsamen Abendessen.

 

Am nächsten Morgen starten wir bereits um acht Uhr und nutzen die Gelegenheit unseren Dieseltank zu füllen. An der Tankstelle abgelegt setzen wir sogleich die Segel und gleiten aus dem Hafen von Brindisi.

 


Der erste Schlag auf dieser Etappe wird uns nach Otranto bringen. Die Welle der vergangenen Tage ist immer noch draußen und lauert auf uns nach der Hafenausfahrt. Sie empfängt uns sofort nach dem Wellenbrecher und stellt die neue Crew gleich mal auf die Probe.

Wir segeln mit raumen Wind, im zweit Reff, der Kurs auf Otranto gerichtet. Der Wind wird mäßig und die Welle rund und ruhiger. Wir genießen den Tag am Segeln und beobachten wie Otranto langsam näherkommt.


Der Einlauf in den Hafen führt uns zum Lateralzeichen, wo wir die Segel bergen.


Ein Marinero begrüßt uns gestikulierend an der Hafenmole. Mit Heck angelegt, Leinen fest – ein erfolgreicher erster Seetag.

 

Weiter geht unsere Reise schon am nächsten Morgen. Neun Uhr – Leinen los!

Wir gleiten hinaus aus dem Hafen, vorbei an den Befestigungsmauern der Stadt und lassen die Stadttore von Otranto hinter uns. Der Motor tuckert und schiebt unser Boot gegen Süden. Uns war bewusst, dass dies der Auftakt einer langen Etappe ist, doch wie lange wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

 

Wir motoren Richtung Santa Maria di Leuca. Ein Ort südöstlich am Stiefel. Die Küste wird felsig und wartet hinter jedem Kap mit neuen Eindrücken. Die Wetterkarten haben uns für die nächsten Tage bereits den Wind veraten und wir freuen uns auf die Segelstrecken. Am Nachmittag ist es dann endlich so weit. Der Wind ist da! Wir setzen die Segel, Kurs am Wind. Erst drei Beaufort dann vier, dann fünf. Mit Wind kommt auch die Welle. Es geht in die erste Nacht.


Stark gerefft segeln wir in den Morgenstunden gegen Wind und Welle. Wir kommen gut voran auch wenn wir den geplanten Kurs längst nicht mehr halten können. Mit jeden Reff und kleineren Segeln, verlieren wir Höhe am Wind.

Es ist der Kompromiss sicher zu Segeln mit weniger Krängung, den ich vor allem auf Strecke vorziehe.

 

Über den ganzen Tag segeln wir Hart am Wind, Schlag um Schlag, die Schoten dicht – Meile für Meile und kämpfen um jeden Meter Höhe. Valentina stampft in der Welle und fällt immer wieder krachend in die bewegten Fluten. Mit immer mehr Wind werden unsere Segel immer kleiner und es auf rauer See über den Golf von Taranto. Die Crew bleibt motiviert, trotz starker Krängung und versieht ihre Dienste. Christian ist die zweite Woche dabei und kennt den Ablauf bereits. Max ist noch etwas unerfahren, jedoch sehr schnell im Lernen und freut sich über dieses Abenteuer. Auch für Wolfgang ist dieser Törn eine neue Erfahrung. Als der Morgen graut blicke ich in müde Gesichter, doch die Stimmung an Bord ist weiterhin gut.


Die Anstrengungen der letzten zwei Nächte ist sichtbar. Wir genießen die ersten Sonnenstrahlen und hoffen auf etwas Wärme. Der Kurs bleibt Hart am Wind und wir kreuzen weiter auf, Richtung der Südspitze Kalabriens.

 

Nochmals kalkuliere ich unsere Route und vergleiche die gefahrene Strecke mit der Planung. Wir sind bereits fünf Stunden hinter unserer Planung. Wir müssen weiter aufkreuzen, wodurch sich unsere Wegstrecke weiter verlängert. Ich spreche aus was der meisten Crew bereits bewusst war.

Wir brauchen einen weiteren Nachtschlag, um bis nach Sizilien zu kommen.


Ich entscheide mich für einen weiten Schlag hinaus. Gut dreißig Seemeilen von der Küste. Und versuche die Motivation der Crew nicht zu verlieren. Nach der Wende führt uns der nächste Kurs wieder zurück an die Küste. Am Abend lässt dann der Wind nach und schläft fast ein. Pünktlich zum Abendessen können wir kochen und die Pantry nutzen. Das wäre die Stunden zuvor undenkbar gewesen.

 

Hinter dem nächsten Kap wartet bereits die Einfahrt in die Straße von Messina. Der Wind sollte dann von Süden wehen, was für unsere Passage sehr von Vorteil wäre.

Das Meer ist noch glatt. Der Volvo tuckert. Die Crew schaut gespannt auf die Küste Siziliens, die jetzt langsam am Horizont auftaucht.

Ich versuche noch eine Mütze voll Schlaf zu bekommen. Später am Abend können wir die Genua setzen. Fünf Windstärken aus Süd schieben uns durch die Strasse von Messina.


Viele Lichter, Fähren und Schiffe kreuzen unser Fahrwasser.




Die Genua stark gerefft und mit geschärften Blick halten wir unseren Kurs am Rand des Verkehrstrennungsgebiet. Es ist eine weitere intensive und kalte Nacht.

 

Bei diesem Nachtschlag schlafe ich kaum und führe das Boot gemeinsam mit der Crew sicher durch diese Passage. Christian ist am Ruder als die Dünung in dieser Meerenge auf die Strömung trifft. Wellen türmen sich auf. Das Meer schäumt und scheint zu kochen.


Im dunkeln der Nacht wirkt diese Szenerie noch beeindruckender. Es ist, als wolle uns Skylla, das furchterregende Seeungeheuer den sich Odysseus auf seiner Heimreise nach Ithaka stellen musste, eine Lektion erteilen.

 

Der Morgen graut, als wir die nördliche Ausfahrt erreichen. Der Wind flaut ab und einem leisen erleichternden Seufzen der Mannschaft, folgt Stille. Was für ein Abenteuer!

 

Die letzten Stunden haben uns viel abverlangt und vollen Einsatz gefordert.

Jetzt kehrt Ruhe ins Boot ein.


Bei ruhiger See bleibt sogar etwas Zeit für Yoga und ein paar Dehnungsübungen.


Die nächsten Stunden bringen uns dann bis in die Marina Portorosa wo wir nach 54 Stunden und knapp 350 Seemeilen durchgängiger Fahrt einlaufen. In der Marina ist es im Mai noch sehr ruhig. Der Marinero weist uns einen freien Liegeplatz gleich bei Büro und Restaurant zu.

Angelegt, Festgemacht!


Was für ein Ritt?!

 

Morgen bereits werden wir in Capo d’Orlando festmachen.

Zwei Wochen nachdem wir in Novigrad in der Marina21 abgelegt haben. Kaum zu glauben, dass es erst 14 Tage her ist. Nach so vielen Erlebnissen und Eindrücken kommt es mir viel länger vor.

 

Valentina wird eine Woche in der Marina von Capo d’Orlando  bleiben, dann kommt die nächste Crew und wir sind bereit um wieder in See zu stechen! Es geht über die Küste Siziliens zu den Ägadischen Inseln und nach Trapani. Es bleibt spannend und ich freue mich auf weitere Abenteuer!

 
 
 

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Beitrag: Blog2 Post

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