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5. Sizilien und Ägadische Inseln

  • Autorenbild: Skipper Martin
    Skipper Martin
  • 2. Juni
  • 5 Min. Lesezeit

Von Capo d’Orlando nach Trapani – Die Karibik des Mittelmeers

 

Nach einem kurzen Zwischenstopp zu Hause bin ich wieder zurück an Bord der Valentina. Die letzten Tage war ich kurz nach Österreich geflogen, um meine Frau zu sehen und Freunde zu treffen. Nun bin ich wieder dort, wo sich in den vergangenen Jahren ein zweites Zuhause entwickelt hat. Ich bin wieder auf See. Schon seltsam, denke ich manchmal, jetzt bin ich von Zuhause nach Zuhause geflogen etwas verrückt, denn auch die Valentina ist für mich zu einem Zuhause geworden.

 

Die nächste Etappe steht an und es war einiges vorzubereiten. Die Wäsche ist gewaschen, die Betten frisch überzogen und die kleine Undichtigkeit der Toilette rasch behoben. Währenddessen ist auch die Crew bereits unterwegs. Mit Carola und Stefan kommen zwei mir sehr lieb gewordene Mitsegler und Segelfreunde an Bord. Gemeinsam wollen wir die Nordküste Siziliens von Capo d’Orlando bis Trapani erkunden und dabei auch die Ägadischen Inseln besuchen.

 

Nach der Sicherheitseinweisung und einem gemeinsamen Abendessen heißt es am nächsten Morgen: Leinen los!

 

Unser erstes Ziel ist Cefalù. Der Wind hält sich zunächst zurück, dafür zeigt sich das Wetter von seiner schönsten Seite. Bei spiegelglatter See tuckert der Dieselmotor zuverlässig vor sich hin, während wir entlang der beeindruckenden Küste Siziliens fahren. Bereits am frühen Nachmittag erreichen wir den kleinen Hafen von Cefalù.



Der Hafen selbst ist eher rustikal. Sanitäranlagen sucht man hier vergeblich, dafür verfügt jeder Liegeplatz über Wasser und Strom. Besonders angenehm ist der Shuttle-Service, der uns direkt ins Zentrum bringt.


So können wir entspannt Proviant einkaufen, durch die malerischen Gassen schlendern und den Abend in einem Restaurant verbringen, das uns empfohlen wurde. Das Essen ist hervorragend und die ruhige Atmosphäre dieses kleinen Hafens gefällt uns ausgesprochen gut.

 

Am nächsten Morgen geht es weiter Richtung Palermo. Über die sizilianische Hauptstadt liest man im Reiseführer einen bemerkenswerten Satz: „Eine Stadt, die man liebt oder hasst.“ Wir sind gespannt, was uns erwartet.

 


Die ersten Seemeilen führen uns noch einmal an Cefalù vorbei. Nun sehen wir die Stadt von der Seeseite aus. Die mächtige Kathedrale, die eng an den markanten Felsen geschmiegten Häuser und die gesamte Kulisse wirken vom Wasser aus noch beeindruckender als am Vortag. Cefalù hat uns ein wenig verzaubert.

 

Zunächst begleitet uns erneut der Motor. Doch gegen Mittag frischt der Wind endlich auf und wir können die Segel setzen. Sofort verändert sich die Stimmung an Bord. Die Valentina legt sich leicht auf die Seite und gleitet auf einem angenehmen Kurs Richtung Westen. Genau für solche Momente sind wir hier.

 

Vor Palermo hatten wir durchaus Respekt. Großstadt, reger Schiffsverkehr, Fähren, Frachter und eine lebendige Hafenlandschaft – darauf hatten wir uns vorbereitet. Die Marina hatte unsere Reservierung bestätigt, sodass wir zumindest wussten, dass ein Liegeplatz auf uns wartet.

 

Als wir uns dem Hafen nähern, stellen wir jedoch fest, dass alles deutlich entspannter verläuft als erwartet. Die Einfahrt ist von den Wellenbrechern gut geschütz und unkompliziert, die Hafencrew weist uns freundlich unseren Platz zu und kurze Zeit später liegen wir sicher vertäut in der Marina.

 


Natürlich zieht es uns sofort in die Stadt. Ein Supermarkt ist schnell gefunden und ebenso ein gemütliches Restaurant für das Abendessen. Palermo begegnet mir mittlerweile nicht zum ersten Mal, und ich habe es nicht immer in angenehmer Erinnerung. Zu laut, zu schmutzig, doch möchte ich dieser Stadt eine weitere Chance geben. Zwischen prachtvollen Gebäuden, engen Gassen, lebhaften Märkten und dem scheinbar chaotischen Verkehr entwickelt sie einen ganz eigenen Charme. Vielleicht ist genau das der Grund, warum man Palermo entweder liebt oder hasst.

 

Am nächsten Morgen verlassen wir Palermo und nehmen Kurs auf Castellammare del Golfo. Schon kurz nach der Hafenausfahrt erwartet uns das, worauf wir in den vergangenen Tagen immer wieder gehofft hatten: ausreichend Wind. Die Segel werden gesetzt und die Valentina nimmt Fahrt auf. Entlang der Nordwestküste Siziliens segeln wir Richtung Westen. Die Navigation könnte kaum einfacher sein – die Küste stets an Backbord, das offene Meer an Steuerbord. Da müssten wir uns sehr anstrengen um vom Kurs abzukommen.

 

Gegen Abend erreichen wir Castellammare del Golfo. Die Marina ist einfach gehalten und besteht im Wesentlichen aus einem langen Schwimmsteg. Wir legen mit dem Heck zur Pier an und genießen den Blick auf die Altstadt, die sich malerisch über dem Hafen erhebt. Die entspannte Atmosphäre dieses Ortes lädt zum Verweilen ein, doch schon am nächsten Tag wartet das nächste Highlight unserer Reise auf uns: die Ägadischen Inseln.

 




Am Morgen starten wir bei guten Windbedingungen Richtung Westen. Die Segel stehen perfekt und die Valentina gleitet ihrem nächsten Ziel entgegen – Favignana, der größten der Ägadischen Inseln. Fast bis unmittelbar vor die Hafeneinfahrt können wir unter Segeln fahren, bevor wir die Segel bergen und unsere Leinen vorbereiten und festmachen.

 

Schon bei der Ankunft spüren wir den besonderen Charme dieser Insel. Die Ägadischen Inseln werden nicht ohne Grund als die „Karibik des Mittelmeers“ bezeichnet. Kristallklares Wasser, eine entspannte Atmosphäre und die unverwechselbare Schönheit der Landschaft machen diesen Ort zu etwas ganz Besonderem.


Nach einem kurzen Spaziergang durch den Ort ergänzen wir unsere Vorräte und lassen den Tag bei einem gemütlichen Abendessen am Hafen ausklingen.

 


Für unseren letzten Abend auf See haben wir uns einen ganz besonderen Platz ausgesucht. In der Cala Rotonda auf Favignana werfen wir den Anker. Wie der Name schon vermuten lässt, handelt es sich um eine nahezu kreisrunde Bucht, die von allen Seiten hervorragend geschützt ist.


Das Wetter zeigt sich noch einmal von seiner besten Seite. Während die Sonne langsam im Meer versinkt, genießen wir einen spektakulären Sonnenuntergang. Kein anderes Boot liegt in der Bucht. Für diesen Abend gehört uns die Cala Rotonda ganz alleine.

 

Die Nacht verläuft ruhig und am nächsten Morgen heißt es ein letztes Mal für diese Etappe: Anker auf und Segel setzen. Bereits in der Bucht können wir die Segel hissen und mit halben Wind hinaussegeln. Die Valentina zeigt einmal mehr, wie angenehm sie sich auch auf engem Raum manövrieren und segeln lässt.

 

Gegen Mittag legen wir vor Trapani und den Ägadischen Inseln eine kurze Pause ein. Wir drehen bei und liegen beigedreht, während wir  Speck und Eier in die Pfanne werfen. In der Zeit wo wir unser Mittagessen genießen, schweift der Blick über das tiefblaue Meer, die Inseln am Horizont und die Küste Siziliens. Wie ich immer wieder gerne sage: Welches Restaurant kann schon mit einer schöneren Aussichtsterrasse aufwarten?

 

Wir segeln weiter Richtung Trapani. Erst unmittelbar vor dem Lateralzeichen bergen wir die Segel und laufen in den Hafen von Trapani ein. An der Tankstelle erwartet uns kräftiger, anlandiger Wind, der uns mit rund zwanzig Knoten an die Hafenmole drückt. Der Tankwart meint: „Heute ist kein guter Tag zum Ablegen.“

 

Doch lassen solche Windverhältnisse meinen Puls mittlerweile kaum noch steigen – vor allem nicht mit dieser Crew. Stefan und Carola haben sowohl die FB2-Ausbildung als auch Skippertrainings bei mir absolviert. Wir haben für genau solche Situationen unzählige Male geübt. Entsprechend souverän verläuft das Ablegemanöver.


 

Nur wenige Minuten später erreichen wir unseren Liegeplatz in der Marina von Trapani. Der Seitenwind ist nach wie vor kräftig, doch die Valentina gleitet sauber in die freie Lücke. Als wir fest vertäut sind, begrüßt mich der Marinero mit einem freundlichen Lächeln und den Worten: „Perfetto, Capitano!“ Ein zufriedenes: „grazie“ entweicht meinen Lippen.

 

Wie immer folgt anschließend die bewährte Checkliste: Logbuch abschließen, Instrumente ausschalten, Landstrom anschließen – und schließlich ein gemütliches Ausklingen lassen.

 

Damit endet eine weitere erfolgreiche Etappe unserer Reise. Von Capo d’Orlando über Cefalù, Palermo, Castellammare del Golfo und die Ägadischen Inseln bis nach Trapani liegen viele schöne Seemeilen hinter uns.

 


Erstaunlich ist dabei, dass seit unserem Start in Novigrad erst drei Wochen vergangen sind. Gefühlt könnten es ebenso gut drei Monate sein, so viele Eindrücke, Erlebnisse und besondere Momente haben ich bereits gesammelt.

 

Doch die Reise ist noch lange nicht zu Ende. Der große Törn von Novigrad bis in die Karibik geht weiter. Mit jeder Etappe wächst die Vorfreude auf das, was noch vor uns liegt – neue Häfen, neue Begegnungen und viele weitere Erlebnisse.

 

Ich bin bereit für neue Abenteuer!

 
 
 

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Beitrag: Blog2 Post

Skipper Martin - Aus Leidenschaft zur See

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