2. Leinen los!
- Skipper Martin

- 28. Apr.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 3. Mai
Mit dem Kommando „Leinen los“ beginnt unser Abenteuer endlich.
Früh am Morgen lösen wir die Leinen in Novigrad.

Die Luft ist noch kühl, das Wasser ruhig, und in diesem Moment liegt eine besondere Mischung aus Spannung und Vorfreude in der Luft. Wir laufen aus der Marina aus und nehmen Kurs auf Pula.

Kaum haben wir den Hafen hinter uns gelassen, setzen wir die Segel. Der Wind trägt uns sanft Richtung Süden, vorbei an vertrauten Namen und Orten, die jetzt langsam hinter uns zurückbleiben: Poreč, Vrsar, der Eingang des Limski Kanals. Noch einmal wandert der Blick zurück – die Silhouette von Novigrad verschwindet am Horizont.
Ein leiser Abschied von der bekannten Küste.
Weiter geht es entlang der Küste Istriens. Rovinj zeigt sich von seiner schönsten Seite – die „Perle Istriens“ macht ihrem Namen alle Ehre. Kurz darauf passieren wir den Leuchtturm Sveti Ivan, der uns zu grüßen scheint während wir vorbeiziehen. Am späten Nachmittag erreichen wir schließlich Pula. Evelin und Peter warten bereits auf uns.
Der Abend gehört dem Ankommen: Proviant wird gebunkert, gemeinsam gehen wir essen, lernen uns kennen. Die Crew wächst zusammen – und mit ihr die Vorfreude auf das, was vor uns liegt.

Am nächsten Morgen geht es früh weiter. Jetzt sind wir zu viert an Bord. Unser Ziel: die Insel Susak – und wenn der Wind mitspielt, noch weiter in die Nacht hinein. Zunächst motoren wir über den Kvarner. Die See ist ruhig, fast zu ruhig. Doch am Nachmittag kommt endlich Bewegung in die Luft. Wir setzen die Segel.
Der Moment, auf den wir gewartet haben. Wir laufen bis kurz vor Susak, drehen dann bei und genießen den Abend unter Segel. Die Sonne versinkt langsam im Meer, das Licht wird weich und die Gespräche ruhiger. Ein Abendessen unter Segeln – einer dieser Momente, die bleiben.
Unser Plan ist ambitioniert: Morgen wollen wir bereits Zadar erreichen, wo ein weiteres Crewmitglied zu uns stößt. Kurz nach Mitternacht ist es soweit. Die Bora setzt ein – genau wie erhofft. Der Wind greift in die Segel, wir nehmen Fahrt auf und segeln entlang der Inselwelt mit guter Geschwindigkeit Richtung Süden: Silba, Olib, Molat ziehen in der Dunkelheit an uns vorbei bis zum Sonnenaufgang. Stunden vergehen, getragen vom Wind. Schließlich laufen wir in Sv. Filip i Jakov, nahe Zadar ein.

Die neue Marina empfängt uns nach rund dreißig Stunden durchgehender Fahrt. Hinter uns liegen die ersten 130 Seemeilen. Martin kommt an Bord. Nach einer kurzen Verschnaufpause folgt die Sicherheitseinweisung und die Einführung ins Boot. Die Crew ist nun komplett.

Am nächsten Morgen legen wir pünktlich um neun Uhr wieder ab. Kurs: Rogoznica. Die Strecke führt uns durch die Inselwelt – perfekt, um weiter zu trainieren. Segel setzen, bergen, reffen, Wenden fahren. Jeder Handgriff sitzt mit jedem Manöver besser. Diese Manöver sind mehr als Übung – sie sind die Vorbereitung auf das, was kommt. Am Abend laufen wir in den Hafen ein. Noch einmal wird eingekauft, Verpflegung ergänzt, letzte Dinge organisiert. Die Crew bespricht bereits die kommenden Kurse, die Route, mögliche Szenarien. Die Gedanken sind schon einen Schritt weiter. Denn morgen beginnt der nächste große Abschnitt. Die Überfahrt von Kroatien nach Italien. Man spürt es an Bord: die Spannung, die Vorfreude, dieses Kribbeln vor dem Unbekannten.
Etwa 200 Seemeilen liegen vor uns, rund 50 Stunden auf See, bei hoffentlich guten Wind. Brindisi ist das Ziel. Wir genießen den Abend im Hafen und die Ruhe vor dem morgigen Start, bevor die Leinen erneut losgeworfen werden.




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